Kniearthrose betrifft viele Menschen mit zunehmendem Alter. Was wir über die Mechanismen der Knieschmerzen wissen, warum Bildgebung nicht die ganze Geschichte erzählt und welche Faktoren die Beschwerden verstärken können.
Von Wilfried BeijersbergenVeröffentlicht am 1. September 2026Aktualisiert am 13. September 20266 Min. Lesezeit
Schmerzen, die sich allmählich entwickeln
Im Gegensatz zu einer Verstauchung oder Sportverletzung beginnt eine Kniearthrose in der Regel nicht mit einem bestimmten Ereignis. Sie entwickelt sich meist schrittweise: morgendliche Steifigkeit, Beschwerden nach einem längeren Spaziergang und schliesslich Schmerzen, die im Alltag zunehmend spürbar werden.
Diese langsame Entwicklung kann dazu führen, dass die Diagnose erst später gestellt wird. Dabei bleibt eine einfache Frage, die oft nicht ausreichend erklärt wird: Warum genau tut es weh?
Was ist Kniearthrose?
Bei einer Kniearthrose kommt es zu fortschreitenden Veränderungen des Knorpels, der die Knochenenden im Gelenk bedeckt, begleitet von Veränderungen des darunterliegenden Knochens. Sie gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen bei Erwachsenen.
Laut Physioswiss zeigen rund 6 % der Erwachsenen klinisch erkennbare Symptome einer Kniearthrose. Für die Schweiz ist mit ähnlichen Zahlen zu rechnen. Zum Vergleich: Bei etwa einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung sind auf Röntgenbildern Zeichen einer Arthrose sichtbar.
Warum verursacht Arthrose Schmerzen?
Der Knorpel selbst ist nicht innerviert: Er enthält keine Nervenendigungen und kann daher streng genommen keinen Schmerz weiterleiten.
Arthroseschmerzen entstehen in anderen Strukturen des Gelenks und des umliegenden Gewebes, die Nerven enthalten. Dazu gehören der subchondrale Knochen, die Synovialmembran, die Gelenkkapsel, die Bänder und das umliegende Gewebe.
Je nach Gelenk und individueller Situation können in diesen Strukturen zusätzlich zu den mechanischen Belastungen lokale entzündliche Prozesse auftreten.
Erklärende GrafikWoher die Schmerzen bei Kniearthrose kommenDer Knorpel ist nicht innerviert. Die Schmerzen entstehen in den innervierten Strukturen des Gelenks und seiner Umgebung:
Subchondraler Knochen
Synovialmembran
Gelenkkapsel
Bänder
Umliegendes Gewebe
Das ist einer der Gründe, weshalb Röntgenbefund und Schmerzstärke nicht immer übereinstimmen.
Auch Ablagerungen calciumhaltiger Kristalle können in von Arthrose betroffenen Gelenken vorkommen. Zu diesen Verkalkungen gehören unter anderem Kristalle aus basischem Calciumphosphat und Calciumpyrophosphat. Ihre mögliche Rolle bei entzündlichen und degenerativen Prozessen im Gelenk ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Sie treten jedoch nicht bei allen Menschen mit Arthrose in gleicher Weise auf.
Dies erklärt auch, warum der Schweregrad auf einem Röntgenbild, das vor allem strukturelle Veränderungen des Gelenks zeigt, nicht immer vorhersagt, wie stark die Schmerzen empfunden werden.
Manche Menschen mit fortgeschrittener Arthrose auf den Bildern haben nur geringe Beschwerden, während andere mit weniger ausgeprägten Veränderungen deutlich stärkere Schmerzen haben.
Auch Faktoren wie die Muskelkraft rund um das Gelenk, die Stabilität beim Gehen und die individuelle Schmerzempfindlichkeit spielen eine Rolle.
Faktoren, die eine Kniearthrose begünstigen können
Mehrere Faktoren spielen regelmässig eine Rolle: das Alter, eine genetische Veranlagung, Übergewicht, das die mechanische Belastung des Knies erhöht und gleichzeitig mit allgemeineren entzündlichen Prozessen verbunden sein kann, wiederholte Belastungen des Gelenks durch bestimmte berufliche oder sportliche Aktivitäten sowie frühere Knieverletzungen.
Keiner dieser Faktoren bestimmt allein den Verlauf. Sie wirken in jeder individuellen Situation unterschiedlich zusammen.
Empfohlene erste Massnahmen
Angepasste Bewegung und Muskelkräftigung gehören zu den empfohlenen ersten Massnahmen bei Kniearthrose.
Entgegen einer verbreiteten Vorstellung ist längere Schonung in der Regel nicht die Lösung.
Über das Gelenk hinausblicken
Auch mögliche Verkalkungen und das lokale Umfeld des Gelenks berücksichtige ich je nach individueller Situation.
Welche Rolle kann die perkutane Hydrotomie spielen?
Im Centre Algos gehört die perkutane Hydrotomie zu den Behandlungsoptionen bei Kniearthrose.
Die Behandlung kann darauf abzielen, Schmerzen, Beweglichkeit und Funktion zu verbessern und gleichzeitig das lokale Gewebemilieu durch Hydration und gezielte therapeutische Unterstützung zu fördern. Klinische und strukturelle Beobachtungen haben zudem das Interesse an ihrem regenerativen Potenzial bei degenerativen Gelenkerkrankungen verstärkt.
Hydrotomie kann je nach individuellem klinischem Bild mit Bewegung, Training, Belastungssteuerung und anderen geeigneten Behandlungen kombiniert werden.
Diese Quellen vertiefen die oben erwähnten Mechanismen, Prävalenzdaten und Behandlungsempfehlungen.
Häufige Fragen
Bedeutet eine im Röntgenbild sichtbare Arthrose automatisch starke Schmerzen?
Nicht unbedingt. Da der Knorpel selbst nicht innerviert ist, entstehen Schmerzen hauptsächlich in anderen Strukturen des Gelenks und im umliegenden Gewebe. Der Schweregrad der sichtbaren Veränderungen und die Intensität der empfundenen Schmerzen stimmen deshalb nicht immer überein.
Ist Kniearthrose ausschliesslich eine Folge des Alters?
Nein. Das Alter ist ein wichtiger Faktor, aber auch Gewicht, frühere Verletzungen, genetische Faktoren und bestimmte berufliche oder sportliche Belastungen spielen eine Rolle, teilweise auch bei jüngeren Menschen.
Sollte man bei Kniearthrose Bewegung vermeiden?
Nein, im Gegenteil. Muskelkräftigung und eine angepasste körperliche Aktivität gehören zu den empfohlenen ersten Massnahmen, um Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu erhalten. Längere Schonung ist in der Regel nicht die Lösung.
Ist bei Kniearthrose immer eine Knieprothese notwendig?
Nein. Eine Operation ist nicht automatisch erforderlich. Konservative Behandlungsansätze werden zunächst empfohlen. Die Entscheidung hängt vom Stadium der Arthrose, den Einschränkungen im Alltag und dem Ansprechen auf bereits versuchte Massnahmen ab und sollte gemeinsam mit einem entsprechenden Facharzt getroffen werden.
Was geschieht in Ihrem individuellen Fall?
Dieser Artikel beschreibt allgemeine Mechanismen und Faktoren. Was Ihre Knieschmerzen in Ihrer individuellen Situation verursacht, verdient eine Untersuchung und ein persönliches Gespräch statt einer allgemeinen Antwort.
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