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Ernährung

Autoimmunerkrankungen und Ernährung: Welche Rolle spielen Darm, Mikrobiom und Mikronährstoffe?

Keine einzelne Speise verursacht eine Autoimmunerkrankung. Ernährung, Mikronährstoffstatus, Verdauungsgesundheit und Mikrobiom wirken jedoch mit Immun- und Entzündungsprozessen zusammen. Hier lesen Sie, was die Evidenz zeigt, welche Untersuchungen sinnvoll sind und wie wir Ernährung und Darmgesundheit bei Centre Algos beurteilen.

Von Veröffentlicht am 4. September 202623 Min. Lesezeit

Tisch mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl, Kräutern und Beeren bei Tageslicht

Autoimmunerkrankungen werden nicht durch ein einzelnes Lebensmittel, einen einzelnen Vitaminmangel oder einen «ungesunden Darm» verursacht. Sie entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, Immunregulation, Umweltfaktoren und weiteren biologischen Einflüssen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Ernährung keine Rolle spielt.

Die Ernährung beeinflusst die Nährstoffe, die dem Immunsystem zur Verfügung stehen, den Stoffwechsel, das Darmmilieu und die Mikroorganismen im Darm. Umgekehrt können autoimmune und entzündliche Erkrankungen Appetit, Verdauung, Nährstoffaufnahme und Nährstoffbedarf beeinflussen. Auch bestimmte Medikamente können den Ernährungsstatus verändern.

Die Forschung zum Darmmikrobiom hat eine weitere Dimension hinzugefügt. Der Darm ist nicht nur für die Aufnahme von Nahrung zuständig. Er beherbergt ein grosses mikrobielles Ökosystem und bildet eine wichtige Schnittstelle des Immunsystems. Zunehmend wird untersucht, wie Ernährung, Darmmikroorganismen, mikrobielle Stoffwechselprodukte, Darmbarriere und Immunregulation miteinander interagieren.

Für Menschen mit einer Autoimmunerkrankung lautet die sinnvollste Frage deshalb nicht:

«Welches Lebensmittel verursacht meine Autoimmunerkrankung?»

Sondern:

«Gibt es ernährungsbezogene, verdauungsbezogene oder metabolische Faktoren, die wir im Rahmen meiner gesamten Behandlung verbessern können?»

So gehen wir bei Centre Algos an dieses Thema heran.

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Das Immunsystem unterscheidet normalerweise zwischen körpereigenem Gewebe und möglichen Bedrohungen wie Krankheitserregern.

Bei einer Autoimmunerkrankung ist diese Immuntoleranz gestört und das Immunsystem reagiert gegen Bestandteile des eigenen Körpers.

Zu den Autoimmunerkrankungen und immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen gehören unter anderem:

  • rheumatoide Arthritis

  • Hashimoto-Thyreoiditis

  • Multiple Sklerose

  • Zöliakie

  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

  • Psoriasis und Psoriasis-Arthritis

  • systemischer Lupus erythematodes

  • Morbus Bechterew und andere Formen der axialen Spondyloarthritis

Diese Erkrankungen unterscheiden sich biologisch deutlich voneinander. Eine Ernährungsstrategie, die für eine Person mit Zöliakie richtig ist, ist nicht automatisch für jemanden mit rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose geeignet.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil im Internet oft über «Autoimmunität» gesprochen wird, als handle es sich um eine einzige Erkrankung.

Das ist nicht der Fall.

Kann Ernährung Autoimmunerkrankungen beeinflussen?

Ja, aber der Zusammenhang ist komplexer, als viele Aussagen im Internet vermuten lassen.

Lebensmittel liefern Energie, Eiweiss, essenzielle Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe und weitere Substanzen, die praktisch alle biologischen Systeme benötigen, einschliesslich des Immunsystems.

Ernährung beeinflusst ausserdem:

  • Körperzusammensetzung und Stoffwechselgesundheit

  • Blutzuckerregulation

  • Herz-Kreislauf-Risiko

  • Darmbewegung

  • das mikrobielle Darmmilieu

  • die Bildung mikrobieller Stoffwechselprodukte

  • den Mikronährstoffstatus

  • die gesamte Ballaststoffzufuhr

Diese Faktoren können bei chronisch entzündlichen Erkrankungen relevant sein.

Es gibt jedoch kein universelles Ernährungskonzept, das Autoimmunerkrankungen unabhängig von der Diagnose abschaltet. Die wissenschaftlichen Arbeiten, auf denen die europäischen rheumatologischen Empfehlungen beruhen, zeigen für einzelne Ernährungsfaktoren teilweise positive Effekte, insgesamt aber keine grossen, allgemein übertragbaren Wirkungen einzelner Lebensmittel oder Diäten.

Für die meisten Menschen ist daher eine hochwertige Ernährung aus überwiegend wenig verarbeiteten Lebensmitteln eine sinnvollere Grundlage als eine extreme Eliminationsdiät. Sie sollte an die jeweilige Erkrankung, die Symptome, den Ernährungsstatus und die individuelle Verträglichkeit angepasst werden.

Was bedeutet entzündungshemmende Ernährung eigentlich?

Der Begriff «entzündungshemmende Ernährung» wird häufig verwendet. Er kann jedoch irreführend sein, wenn dadurch der Eindruck entsteht, bestimmte Lebensmittel würden wie entzündungshemmende Medikamente wirken.

Sinnvoller ist es, das gesamte Ernährungsmuster zu betrachten.

Für viele Menschen ähnelt dies einer mediterran geprägten Ernährung mit:

  • viel Gemüse

  • Obst

  • Hülsenfrüchten

  • Nüssen und Samen

  • Kräutern und Gewürzen

  • Vollkornprodukten, wenn sie geeignet und gut verträglich sind

  • nativem Olivenöl extra

  • Fisch und anderen Omega-3-Quellen

  • ausreichend hochwertigem Eiweiss

Gleichzeitig bedeutet es meist, weniger häufig zu konsumieren:

  • stark verarbeitete Lebensmittel

  • Lebensmittel mit grossen Mengen zugesetzten Zuckers

  • raffinierte Kohlenhydrate mit geringem Nährwert

  • übermässige Mengen verarbeitetes Fleisch

  • Ernährungsformen mit wenig Ballaststoffen und geringer pflanzlicher Vielfalt

Dieser Ansatz verbessert die gesamte Ernährungsqualität, ohne unnötig grosse Lebensmittelgruppen auszuschliessen.

Bei Autoimmunerkrankungen sollte Ernährung den Menschen unterstützen und nicht zu einer zusätzlichen Quelle von Stress und Einschränkungen werden.

Wie hängen Darm und Immunsystem zusammen?

Der Darm ist eine der wichtigsten Grenzflächen zwischen unserem Körper und der Umwelt.

Täglich kommt er mit Nahrungsbestandteilen, Mikroorganismen und mikrobiellen Produkten in Kontakt und muss gleichzeitig eine kontrollierte Barriere zwischen dem Darminhalt und dem restlichen Körper aufrechterhalten.

Das intestinale Immunsystem muss deshalb ein komplexes Gleichgewicht bewahren. Es muss harmlose Nahrungsbestandteile und kommensale Mikroorganismen tolerieren und gleichzeitig auf Krankheitserreger reagieren können.

Dieses Zusammenspiel zwischen Darm, Mikroorganismen und Immunsystem wird häufig als Darm-Immun-Achse bezeichnet.

Die Forschung zeigt zunehmend, dass Mikrobiom, mikrobielle Stoffwechselprodukte, Darmbarriere und Immunregulation eng miteinander verbunden sind.

Das bedeutet nicht, dass jede Autoimmunerkrankung «im Darm beginnt».

Es bedeutet aber, dass die Darmbiologie wissenschaftlich ernst genommen werden sollte.

Erklärende GrafikErnährung, Darm und Immunsystem wirken in beide Richtungen zusammenDiese Ebenen beeinflussen sich fortlaufend gegenseitig:
  • Ernährung und Ernährungsmuster
  • Darmmilieu
  • Mikrobiom und mikrobielle Stoffwechselprodukte
  • Darmbarriere
  • Immunsignale
  • Stoffwechsel- und Allgemeingesundheit

Die Einflüsse verlaufen in beide Richtungen. Ernährung kann das Darmmilieu verändern, und Erkrankung, Medikamente oder Immunaktivität können ihrerseits Verdauung, Appetit und Ernährungsstatus beeinflussen. Es handelt sich um ein Zusammenspiel und nicht um einen belegten einseitigen Weg von der Ernährung zur Autoimmunerkrankung.

Was ist das Darmmikrobiom?

Das Darmmikrobiom umfasst die Mikroorganismen und ihr genetisches Material im Magen-Darm-Trakt.

Diese Mikroorganismen interagieren unter anderem mit:

  • Ballaststoffen

  • Gallensäuren

  • Darmzellen

  • dem Immunsystem

  • anderen Mikroorganismen

Sie bilden ausserdem Stoffwechselprodukte, die biologische Prozesse innerhalb und ausserhalb des Darms beeinflussen können.

Ein Beispiel sind kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die entstehen, wenn bestimmte Darmbakterien Ballaststoffe fermentieren.

Diese Stoffe spielen unter anderem eine Rolle für die Darmepithelfunktion und die Immunregulation.

Bei verschiedenen autoimmunen und entzündlichen Erkrankungen wurden Veränderungen des Mikrobioms beobachtet. Eine wichtige Frage ist jedoch weiterhin offen:

Trägt ein verändertes Mikrobiom zur Erkrankung bei, verändert die Erkrankung das Mikrobiom oder finden beide Prozesse gleichzeitig statt?

Die Antwort dürfte je nach Erkrankung und Person unterschiedlich sein.

Kann Ernährung das Mikrobiom verändern?

Ja.

Die Ernährung gehört zu den wichtigsten Einflüssen auf das mikrobielle Darmmilieu.

Unterschiedliche Mikroorganismen nutzen unterschiedliche Nahrungsbestandteile. Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche pflanzliche Ernährung schafft deshalb ein anderes Darmmilieu als eine Ernährung, die überwiegend aus stark raffinierten Lebensmitteln besteht.

Interventionsstudien am Menschen zeigen, dass Ernährungsänderungen mikrobielle Aktivitäten und bestimmte Immunmarker beeinflussen können.

In einer randomisierten Studie in Cell erhöhte eine Ernährung mit vielen fermentierten Lebensmitteln die mikrobielle Vielfalt und war mit einer Abnahme verschiedener Entzündungsmarker verbunden. Eine ballaststoffreiche Ernährung veränderte die funktionellen Fähigkeiten des Mikrobioms, wobei die Immunantworten stärker zwischen einzelnen Personen variierten. Untersucht wurden gesunde Erwachsene. Die Ergebnisse belegen daher nicht, dass fermentierte Lebensmittel Autoimmunerkrankungen behandeln.

Sie zeigen jedoch etwas Wichtiges:

Was wir essen, kann das mikrobielle und immunologische Milieu im Darm beeinflussen.

Was ist mit Darmdurchlässigkeit und «Leaky Gut»?

Die Darmbarriere ist biologisch real und wichtig.

Sie besteht aus mehreren miteinander verbundenen Komponenten:

  • Schleimschicht

  • Darmepithelzellen

  • Tight-Junction-Proteinen

  • Immunzellen

  • mikrobiellen Gemeinschaften und ihren Stoffwechselprodukten

Die Barriere ist selektiv und nicht vollständig undurchlässig. Nährstoffe müssen sie passieren können, während Mikroorganismen und potenziell schädliche Substanzen kontrolliert werden müssen.

Veränderungen der Darmdurchlässigkeit werden bei verschiedenen gastrointestinalen, metabolischen und immunvermittelten Erkrankungen untersucht.

Der Begriff «Leaky Gut» wird im Internet jedoch häufig wesentlich breiter verwendet, als es die wissenschaftliche Datenlage erlaubt.

Müdigkeit, Brain Fog, Blähungen oder Gelenkschmerzen beweisen für sich allein keine krankhaft erhöhte Darmdurchlässigkeit.

Bei Centre Algos betrachten wir deshalb Darmbarrierefunktion, Verdauungssymptome, krankheitsspezifische Risiken und klinisch sinnvolle Untersuchungen, statt davon auszugehen, dass jede chronische Erkrankung durch einen «durchlässigen Darm» verursacht wird.

Kann man den Darm «heilen»?

Es gibt keine einzelne Behandlung, die den Darm bei jedem Menschen universell «heilt».

Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Darmgesundheit zu unterstützen und erkennbare Probleme zu behandeln.

Je nach Situation kann dies bedeuten:

  • die Ernährungsqualität zu verbessern

  • die Vielfalt der Ballaststoffe bei guter Verträglichkeit schrittweise zu erhöhen

  • bei entsprechender Indikation eine Zöliakie abzuklären

  • entzündliche Darmerkrankungen oder andere gastrointestinale Erkrankungen zu erkennen

  • relevante Nährstoffmängel zu identifizieren

  • anhaltende Verdauungsbeschwerden abzuklären

  • Medikamente mit Einfluss auf die Verdauung zu überprüfen

  • unnötige Ernährungseinschränkungen zu vermeiden

  • ausreichend Eiweiss und Energie sicherzustellen

  • fermentierte Lebensmittel einzubeziehen, wenn sie geeignet und verträglich sind

Das Ziel ist nicht, den Darm zu «entgiften».

Es geht darum, günstige Bedingungen für eine normale Darmfunktion zu schaffen und konkrete Probleme gezielt anzugehen.

Sollte man bei Autoimmunerkrankungen Zucker reduzieren?

Eine Reduktion von zugesetztem Zucker ist häufig ein sinnvoller Bestandteil einer besseren Ernährungsqualität.

Entscheidend ist aber, warum.

Oft wird behauptet, «Zucker verursacht Entzündungen». Die Daten aus Humanstudien sind wesentlich differenzierter.

Zucker wird immer als Teil eines gesamten Ernährungsmusters konsumiert. Ernährungsweisen mit grossen Mengen zugesetzten Zuckers enthalten häufig gleichzeitig viele stark verarbeitete Lebensmittel und vergleichsweise wenig Ballaststoffe, Mikronährstoffe und wenig verarbeitete Lebensmittel.

Eine hohe Aufnahme kann bei dafür anfälligen Menschen zudem eine übermässige Energiezufuhr und eine ungünstigere Stoffwechselgesundheit fördern.

Das praktische Ziel sollte daher meistens lauten:

weniger zugesetzter Zucker und weniger stark verarbeitete Lebensmittel, nicht eine Ernährung ohne jeglichen Zucker.

Besonders sinnvoll ist die Reduktion von:

  • zuckergesüssten Getränken

  • Süssigkeiten

  • vielen Desserts

  • stark gesüssten Frühstücksprodukten

  • hochverarbeiteten Snacks

Das bedeutet nicht, dass Obst gemieden werden muss, weil es natürlicherweise Zucker enthält.

Ganzes Obst liefert gleichzeitig Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und zahlreiche bioaktive Substanzen.

Eine nährstoffreiche Ernährung ist sinnvoller als das Ziel «null Zucker».

Was ist mit hochverarbeiteten Lebensmitteln?

Hochverarbeitete Lebensmittel werden zunehmend im Zusammenhang mit metabolischer und entzündlicher Gesundheit untersucht.

Dazu gehören viele industrielle Produkte, die besonders bequem und schmackhaft gestaltet sind und häufig Kombinationen aus raffinierten Stärken, zugesetztem Zucker, Fett, Aromen, Emulgatoren und anderen Zusatzstoffen enthalten.

Nicht jedes verarbeitete Lebensmittel ist ungesund. Tiefkühlgemüse, Hülsenfrüchte aus der Dose, Olivenöl oder Joghurt wurden ebenfalls verarbeitet.

Sinnvoller ist die Unterscheidung zwischen nährstoffreichen verarbeiteten Lebensmitteln und einer Ernährung, die überwiegend aus hochraffinierten Produkten mit wenig Ballaststoffen und Mikronährstoffen besteht.

Wenn letztere reduziert werden, entsteht mehr Raum für Lebensmittel, die Ernährung und Stoffwechsel besser unterstützen.

Sollte man bei einer Autoimmunerkrankung Gluten meiden?

Nicht automatisch.

Bei Zöliakie ist eine lebenslange strikt glutenfreie Ernährung eine notwendige medizinische Behandlung.

Das bedeutet nicht, dass Gluten jede Autoimmunerkrankung verursacht oder dass alle Menschen mit einer Autoimmunerkrankung Gluten meiden sollten.

In bestimmten Situationen sollten glutenbezogene Beschwerden oder eine Zöliakie abgeklärt werden. Wichtig ist dabei, Gluten nicht schon vor der Diagnostik vollständig wegzulassen, da dies die Diagnose erschweren kann.

Ohne Zöliakie oder eine andere klare Indikation sollte ein routinemässiger Glutenverzicht nicht automatisch vorausgesetzt werden.

Was ist mit Milchprodukten, Nachtschattengewächsen und anderen Lebensmitteln?

Manche Menschen stellen deutlich fest, dass bestimmte Lebensmittel Verdauungsbeschwerden oder andere Symptome verstärken.

Solche Beobachtungen sollten ernst genommen werden.

Eine individuelle Reaktion ist jedoch etwas anderes als der Nachweis, dass eine ganze Lebensmittelgruppe bei allen Menschen Autoimmunerkrankungen fördert.

Der pauschale Verzicht auf Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse, Samen oder Nachtschattengewächse kann die Ernährung unnötig einschränken und bei schlechter Planung die Nährstoffversorgung verschlechtern.

Wenn eine Eliminationsphase sinnvoll erscheint, sollte sie möglichst:

  1. einen klaren klinischen Grund haben

  2. ein definiertes Ziel verfolgen

  3. eine geeignete Ernährungsalternative enthalten

  4. einen Plan zur erneuten Beurteilung oder Wiedereinführung vorsehen

Was ist die Autoimmune Protocol Diet oder AIP-Diät?

Das Autoimmune Protocol, häufig AIP-Diät genannt, ist eine stark einschränkende Eliminationsdiät, die teilweise aus der Paleo-Ernährung hervorgegangen ist.

Meist werden zunächst zahlreiche Lebensmittelgruppen ausgeschlossen und später schrittweise wieder eingeführt.

Kleine vorläufige Studien haben bei einzelnen Erkrankungen interessante Ergebnisse gezeigt. Die derzeitige Evidenz reicht jedoch nicht aus, um AIP als allgemein etablierte Behandlung von Autoimmunerkrankungen anzusehen.

Da die Ernährung sehr restriktiv ist, müssen ausserdem Nährstoffversorgung und psychische Belastung durch die Einschränkungen berücksichtigt werden.

Für die meisten Menschen sollte sie deshalb nicht automatisch der erste Ernährungsschritt sein.

Welche Mikronährstoffe sind bei Autoimmunerkrankungen wichtig?

Mikronährstoffe sind an Hunderten biologischer Prozesse beteiligt, unter anderem an Immunregulation, Energiestoffwechsel, Gewebeerhalt und Blutbildung.

Autoimmunerkrankungen können den Mikronährstoffstatus auf verschiedene Weise beeinflussen:

  • unzureichende Nahrungsaufnahme

  • verminderter Appetit

  • restriktive Ernährungsformen

  • gestörte Aufnahme

  • gastrointestinale Entzündung

  • erhöhte Verluste

  • Medikamenteneffekte

  • krankheitsspezifische Ernährungsrisiken

Deshalb ist Mikronutrition besonders sinnvoll, wenn sie gezielt eingesetzt wird, statt einfach eine lange Liste von Nahrungsergänzungsmitteln «für das Immunsystem» einzunehmen.

Vitamin D

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle im Knochenstoffwechsel und in der Immunbiologie.

Niedrige Vitamin-D-Werte werden bei verschiedenen chronischen und autoimmunen Erkrankungen häufig beobachtet. Eine Assoziation allein beweist jedoch noch keine Ursache.

Besonders interessant ist die randomisierte VITAL-Studie. Mehr als 25’000 Erwachsene wurden untersucht. Eine Vitamin-D-Supplementierung war über ungefähr fünf Jahre mit einer um 22 Prozent niedrigeren Häufigkeit bestätigter neu auftretender Autoimmunerkrankungen verbunden. Es handelte sich um eine Präventionsstudie bei älteren Erwachsenen und nicht um eine Therapiestudie bei bereits bestehender Autoimmunerkrankung.

Die praktische Aussage ist einfach:

Ein nachgewiesener Vitamin-D-Mangel ist klinisch relevant und sollte korrigiert werden.

Eisen und Ferritin

Eisenmangel kann beitragen zu:

  • Müdigkeit

  • verminderter Belastbarkeit

  • Schwäche

  • Konzentrationsproblemen

  • Restless Legs

  • Veränderungen der Haare

Wichtig ist, dass Eisenmangel bereits vor einer Anämie bestehen kann.

Dies kann besonders relevant sein, wenn eine autoimmune oder entzündliche Erkrankung den Verdauungstrakt betrifft, Blutverluste bestehen oder die Nährstoffaufnahme gestört ist.

Ferritin hilft bei der Einschätzung der Eisenspeicher. Entzündungen können den Ferritinwert jedoch erhöhen. Deshalb können für die Interpretation weitere Marker und der klinische Zusammenhang notwendig sein.

Vitamin B12 und Folat

Vitamin B12 und Folat sind wichtig für neurologische Funktionen, Blutbildung und Zellstoffwechsel.

Ein Mangel kann durch unzureichende Aufnahme, Medikamente oder eine gestörte Resorption im Magen-Darm-Trakt entstehen.

Die Autoimmungastritis ist ein besonders relevantes Beispiel. Die fortschreitende Atrophie der Magenschleimhaut kann sowohl den Vitamin-B12- als auch den Eisenstatus beeinträchtigen.

Zöliakie und chronisch entzündliche Darmerkrankungen können weitere Ernährungsrisiken mit sich bringen.

Die sinnvolle Frage lautet deshalb nicht nur:

«Sollte ich Vitamin B12 einnehmen?»

Sondern:

«Gibt es einen Grund, weshalb mir Vitamin B12 fehlen könnte, und was zeigt meine individuelle Situation?»

Selen

Selen ist unter anderem an antioxidativen Enzymsystemen und am Schilddrüsenhormonstoffwechsel beteiligt.

Besonders bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wird es intensiv untersucht.

Einige randomisierte Studien und Metaanalysen bei Hashimoto-Thyreoiditis zeigten Veränderungen bestimmter schilddrüsenbezogener Laborparameter unter Supplementierung.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch mit Hashimoto Selen einnehmen sollte.

Der Bedarf ist relativ gering, und eine übermässige Einnahme kann schädlich sein. Auch hier ist eine gezielte Mikronutrition sinnvoller als eine pauschale Supplementierung.

Zink und weitere Mikronährstoffe

Zink ist an zahlreichen Funktionen des Immunsystems beteiligt.

Je nach Ernährung, Darmgesundheit und individuellem Ernährungsstatus kann eine Abklärung sinnvoll sein.

Auch Magnesium und verschiedene B-Vitamine können in bestimmten Situationen relevant sein.

Bei Centre Algos gehen wir nicht davon aus, dass alle Menschen mit einer Autoimmunerkrankung dieselben Mikronährstoffe benötigen.

Wir suchen nach einem klinischen Grund, sie zu untersuchen oder gezielt zu korrigieren.

Welche Rolle spielen Omega-3-Fettsäuren?

Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA, sind an Lipidsignalwegen beteiligt, die bei der Regulation und Auflösung von Entzündungsprozessen eine Rolle spielen.

Sie kommen vor allem in fettreichem Fisch und marinen Quellen vor. Pflanzliche Lebensmittel liefern die Vorstufe Alpha-Linolensäure.

Evidenzübersichten zu rheumatischen Erkrankungen zeigen für einige Ernährungsfaktoren, darunter Omega-3 bei rheumatoider Arthritis, moderate beziehungsweise eher kleine Effekte.

Geeignete omega-3-reiche Lebensmittel können deshalb regelmässig Teil einer hochwertigen Ernährung sein.

Ob eine Supplementierung sinnvoll ist, hängt von der Ernährung und dem klinischen Kontext ab.

Sind fermentierte Lebensmittel und Probiotika sinnvoll?

Fermentierte Lebensmittel und probiotische Nahrungsergänzungsmittel sind nicht dasselbe.

Joghurt, Kefir, Sauerkraut und andere traditionell fermentierte Lebensmittel können bei guter Verträglichkeit Teil einer abwechslungsreichen Ernährung sein.

Probiotische Präparate enthalten dagegen bestimmte Mikroorganismenstämme in definierten Mengen.

Die Forschung bei immunvermittelten Erkrankungen entwickelt sich weiter, aber die Ergebnisse hängen von Stamm, Dosierung, Erkrankung, untersuchter Population und Endpunkt ab.

Ein Nutzen eines bestimmten Stammes bei einer bestimmten Erkrankung lässt sich nicht automatisch auf alle Probiotika oder alle Autoimmunerkrankungen übertragen.

Braucht man einen Mikrobiomtest?

Nicht unbedingt.

Kommerzielle Mikrobiomanalysen können sehr detaillierte Berichte über zahlreiche Darmmikroorganismen erstellen.

Die technischen Möglichkeiten, Mikroorganismen zu identifizieren, haben sich sehr schnell entwickelt. Die klinische Fähigkeit, jede Abweichung zuverlässig zu interpretieren und daraus eine etablierte Behandlung abzuleiten, hat sich nicht im gleichen Tempo entwickelt.

Ein internationaler Konsens aus dem Jahr 2025 kommt zu dem Schluss, dass die Evidenz für den routinemässigen klinischen Einsatz breiter Mikrobiomtests weiterhin begrenzt ist und weitere Standardisierung und Validierung notwendig sind.

Das bedeutet nicht, dass Stuhluntersuchungen keinen Nutzen haben.

Entscheidend ist, dass die Untersuchung eine konkrete klinische Frage beantwortet.

Ein etabliertes Beispiel ist fäkales Calprotectin. In geeigneten Situationen kann dieser Marker helfen, eine entzündliche Darmerkrankung von nicht entzündlichen Ursachen wie einem Reizdarmsyndrom zu unterscheiden.

Bei Centre Algos können wir gezielte Stuhluntersuchungen verordnen, wenn Symptome, Vorgeschichte oder andere Befunde einen klinischen Grund dafür liefern.

Nicht jeder Patient braucht einen umfassenden Mikrobiombericht.

Verbreitete Aussage Klinisch nützlichere Frage
«Leaky Gut» Bestehen anhaltende Verdauungsbeschwerden oder Magen-Darm-Probleme, die abgeklärt werden sollten?
«Mein Mikrobiom ist schlecht» Gibt es eine klar definierte klinische Frage, die eine validierte Untersuchung beantworten kann?
«Ich muss Gluten weglassen» Gibt es einen Befund oder eine Diagnose, die den Verzicht auf Gluten begründen?
«Ich brauche Präparate für das Immunsystem» Besteht ein Mangel, eine Aufnahmestörung oder ein konkreter Nährstoffbedarf?
«Zucker verursacht meine Entzündung» Würde weniger zugesetzter Zucker und eine bessere Ernährungsqualität die Nährstoff- und Stoffwechselgesundheit verbessern?

Wie kann eine Autoimmunerkrankung die Ernährung beeinflussen?

Der Zusammenhang funktioniert in beide Richtungen.

Ernährung beeinflusst die Gesundheit, aber autoimmune und entzündliche Erkrankungen können auch den Ernährungsstatus verändern.

Zum Beispiel:

Zöliakie kann die Dünndarmschleimhaut schädigen und die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können Nahrungsaufnahme, Resorption und Nährstoffbedarf verändern.

Autoimmungastritis kann den Eisen- und Vitamin-B12-Status beeinträchtigen.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können Aktivität, Körperzusammensetzung und kardiovaskuläres Risiko beeinflussen.

Chronische Schmerzen und Müdigkeit können Einkaufen, Kochen und eine ausgewogene Ernährung erschweren.

Medikamente können einen zusätzlichen Einfluss haben.

Deshalb sollte eine Ernährungsbeurteilung beim tatsächlichen Menschen und seiner Diagnose beginnen und nicht bei einer allgemeinen Liste «guter» und «schlechter» Lebensmittel.

Kann Ernährung die medizinische Behandlung einer Autoimmunerkrankung ersetzen?

Ernährung kann ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein.

Das sinnvollere Modell lautet nicht:

Medizin oder Ernährung

sondern:

angemessene medizinische Behandlung zusammen mit Aufmerksamkeit für Ernährung, Stoffwechselgesundheit, Verdauungsfunktion, Bewegung, Schlaf und weitere relevante Faktoren.

Dies entspricht unserem integrativen Ansatz bei Centre Algos.

Wie beurteilen wir Ernährung und Darmgesundheit bei Centre Algos?

Es gibt kein standardisiertes «Autoimmunpaket», das jeder Patient erhält.

Wir beginnen mit dem individuellen Menschen.

Dabei betrachten wir unter anderem:

  • die Diagnose einer Autoimmunerkrankung oder entzündlichen Erkrankung

  • aktuelle Symptome

  • Müdigkeit und Energie

  • Schmerzen und körperliche Funktion

  • Verdauungsbeschwerden

  • Ernährungsgewohnheiten

  • Lebensmittelrestriktionen

  • Gewichts- oder Appetitveränderungen

  • vorhandene Laborresultate

  • aktuelle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel

  • Schlaf und Erholung

  • relevante medizinische Vorgeschichte

  • bisherige Behandlungen

Anschliessend bestimmen wir, welche Fragen tatsächlich beantwortet werden müssen.

Gezielte Blutuntersuchungen

Wenn klinisch sinnvoll, können wir Blutuntersuchungen verordnen, die über bereits erfolgte Standarduntersuchungen hinausgehen.

Je nach Fragestellung können dazu gehören:

  • Eisenstoffwechsel

  • Marker im Zusammenhang mit Vitamin B12 und Folat

  • Vitamin D

  • ausgewählte Mikronährstoffe

  • metabolische Parameter

  • Entzündungsmarker

  • weitere gezielte biologische Parameter

Ziel ist nicht, endlos nach auffälligen Laborwerten zu suchen.

Wir möchten Befunde identifizieren, die helfen können, Symptome, Ernährungsrisiken oder therapeutische Prioritäten besser zu verstehen.

Verdauungsdiagnostik und Stuhluntersuchungen

Wenn Verdauungsbeschwerden, Vorgeschichte oder andere Befunde darauf hinweisen, dass der Magen-Darm-Trakt genauer untersucht werden sollte, können gezielte Untersuchungen sinnvoll sein.

Dazu können bei einer klaren klinischen Fragestellung auch Stuhluntersuchungen gehören.

Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Frage ab.

Wir gehen nicht davon aus, dass jede Autoimmunerkrankung durch Dysbiose, Darmdurchlässigkeit oder eine versteckte Nahrungsmittelunverträglichkeit verursacht wird.

Gemeinsam einen Behandlungsplan entwickeln

Wenn wir die relevanten Faktoren besser verstehen, besprechen wir gemeinsam mit dem Patienten die Behandlungsstrategie.

Je nach Situation kann diese beinhalten:

  • Ernährungsanpassungen

  • Verbesserung der Lebensmittelqualität

  • Reduktion von übermässigem zugesetztem Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln

  • mehr pflanzliche Vielfalt und Ballaststoffe, wenn geeignet

  • Korrektur festgestellter Mikronährstoffmängel

  • gezielte Supplementierung

  • Phytotherapie, wenn passend

  • Unterstützung der Verdauungsfunktion

  • Strategien für Schlaf und Erholung

  • an die Erkrankung und Belastbarkeit angepasste körperliche Aktivität

  • Abstimmung mit der bestehenden medizinischen Behandlung

Der Plan ist individuell, weil Autoimmunerkrankungen unterschiedlich sind und weil die Menschen, die mit ihnen leben, ebenfalls unterschiedlich sind.

Wie kann man praktisch anfangen?

Für Menschen mit einer Autoimmunerkrankung, die ihre Ernährung verbessern möchten, ist ein sinnvoller erster Schritt meist wesentlich einfacher, als das Internet vermuten lässt.

Gestalten Sie Mahlzeiten überwiegend mit wenig verarbeiteten Lebensmitteln.

Essen Sie eine grosse Vielfalt an Gemüse und anderen pflanzlichen Lebensmitteln.

Achten Sie auf ausreichend Eiweiss.

Nutzen Sie hochwertige Fettquellen wie Olivenöl, Nüsse, Samen und geeignete Omega-3-Quellen.

Steigern Sie Ballaststoffe schrittweise entsprechend Ihrer Verdauungsverträglichkeit.

Reduzieren Sie Lebensmittel mit viel zugesetztem Zucker und raffinierten Zutaten.

Verlassen Sie sich weniger auf hochverarbeitete Snacks und Fertigprodukte.

Streichen Sie Gluten, Milchprodukte oder mehrere andere Lebensmittelgruppen nicht ohne klaren Grund.

Nehmen Sie anhaltende Verdauungsbeschwerden ernst.

Und lassen Sie Nährstoffmängel untersuchen, wenn Vorgeschichte oder Erkrankung einen Grund dafür liefern.

Dieser Ansatz klingt weniger spektakulär als ein «30-Tage-Autoimmun-Reset».

Er lässt sich aber wesentlich besser langfristig umsetzen und entspricht deutlich stärker dem aktuellen Stand der Evidenz.

Wann sollten Verdauungsbeschwerden medizinisch abgeklärt werden?

Nicht jedes Verdauungssymptom ist ernährungsbedingt.

Häufige Fragen

Welche Ernährung ist bei Autoimmunerkrankungen am besten?

Es gibt keine einzige Ernährung, die nachweislich für alle Autoimmunerkrankungen am besten ist. Eine hochwertige, überwiegend wenig verarbeitete, mediterran geprägte Ernährung ist eine gute allgemeine Grundlage. Sie sollte jedoch an Diagnose, Symptome, Ernährungsstatus und individuelle Verträglichkeit angepasst werden.

Welche Lebensmittel sollte man bei Autoimmunerkrankungen meiden?

Es gibt keine universelle Liste. Lebensmittel sollten ausgeschlossen werden, wenn ein medizinischer Grund besteht, beispielsweise Gluten bei Zöliakie, eine bestätigte Allergie oder ein anderer klarer individueller Grund. Der unnötige Ausschluss vieler Lebensmittelgruppen kann die Vielfalt und Nährstoffversorgung verschlechtern.

Ist Zucker bei Autoimmunerkrankungen schlecht?

Eine hohe Aufnahme zugesetzten Zuckers sollte im Rahmen einer besseren Ernährungsqualität und Stoffwechselgesundheit reduziert werden. Die Evidenz rechtfertigt jedoch nicht die Aussage, dass jeder Zucker direkt autoimmune Entzündungen verursacht. Ganzes Obst muss nicht gemieden werden, nur weil es natürlicherweise Zucker enthält.

Kann die Darmgesundheit Autoimmunerkrankungen beeinflussen?

Der Darm steht in enger Wechselwirkung mit dem Immunsystem. Darmmikrobiom und Darmbarriere sind wichtige Forschungsfelder bei Autoimmunerkrankungen. Bei verschiedenen Krankheiten wurden Veränderungen des Mikrobioms beobachtet, wobei Ursache und Wirkung nicht immer geklärt sind.

Beginnen Autoimmunerkrankungen im Darm?

Nicht generell. Autoimmunerkrankungen haben komplexe und krankheitsspezifische Ursachen. Der Darm spielt bei der Immunregulation eine Rolle und kann bei bestimmten Erkrankungen besonders relevant sein, sollte aber nicht als universeller Ursprung der Autoimmunität dargestellt werden.

Kann man Autoimmunerkrankungen durch «Darmheilung» heilen?

Es gibt keine Evidenz dafür, dass ein allgemeines «Darmheilungsprogramm» Autoimmunerkrankungen heilt. Eine bessere Ernährung, die Behandlung gastrointestinaler Erkrankungen, die Korrektur von Mängeln und die Unterstützung der Darmgesundheit können dennoch wichtige Bestandteile einer umfassenden Behandlung sein.

Was ist Dysbiose?

Dysbiose beschreibt eine Veränderung eines mikrobiellen Ökosystems im Vergleich zu einem Referenzzustand. Der Begriff ist in der Forschung nützlich, es gibt aber kein universelles Mikrobiomprofil, das bei jedem Patienten oder jeder Autoimmunerkrankung eine Dysbiose definiert.

Sollte man bei Autoimmunerkrankungen Probiotika nehmen?

Nicht automatisch. Die Wirkung von Probiotika hängt von Stamm, Erkrankung und Kontext ab. Ein allgemeines Probiotikum kann nicht allein deshalb als Behandlung von Autoimmunerkrankungen betrachtet werden, weil das Mikrobiom an der Immunbiologie beteiligt ist.

Sollte man Gluten meiden?

Bei Zöliakie muss Gluten strikt vermieden werden. Bei anderen Autoimmunerkrankungen ist ein routinemässiger Glutenverzicht nicht automatisch notwendig. Wenn eine Zöliakie vermutet wird, sollte die Diagnostik möglichst vor Beginn einer strikt glutenfreien Ernährung erfolgen.

Ist die AIP-Diät wissenschaftlich bewiesen?

Das Autoimmune Protocol hat in kleinen vorläufigen Studien interessante Resultate gezeigt. Die derzeitige Evidenz reicht jedoch nicht aus, um es als allgemein etablierte Behandlung für Autoimmunerkrankungen anzusehen. Zudem ist die Ernährung stark einschränkend.

Welche Vitamine und Mineralstoffe sind bei Autoimmunerkrankungen wichtig?

Vitamin D, Vitamin B12, Folat, Eisen, Selen und weitere Mikronährstoffe können je nach Erkrankung, Ernährung, Medikamenten und Aufnahme relevant sein. Entscheidend ist, ob ein Mangel oder ein konkreter Grund für eine Untersuchung oder Supplementierung besteht.

Ist Vitamin D bei Autoimmunerkrankungen wichtig?

Vitamin D spielt eine Rolle in der Immunbiologie und ein nachgewiesener Mangel sollte korrigiert werden. Eine grosse randomisierte Präventionsstudie fand bei Erwachsenen unter Vitamin D weniger neu auftretende Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Vitamin D allein eine bereits bestehende Autoimmunerkrankung behandelt.

Können Autoimmunerkrankungen Nährstoffmängel verursachen?

Ja. Manche Autoimmunerkrankungen beeinflussen Appetit, Nahrungsaufnahme oder die Aufnahme im Magen-Darm-Trakt. Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Autoimmungastritis sind Beispiele, bei denen Nährstoffmängel klinisch bedeutsam sein können.

Sind Stuhluntersuchungen bei Autoimmunerkrankungen sinnvoll?

Sie können sinnvoll sein, wenn sie eine konkrete klinische Frage beantworten, insbesondere bei Verdauungsbeschwerden. Breite kommerzielle Mikrobiomprofile unterscheiden sich von etablierten gezielten Stuhluntersuchungen und sind nicht automatisch notwendig.

Kann Centre Algos Mikronährstoffe und Darmgesundheit untersuchen?

Ja. Wenn klinisch sinnvoll, können wir gezielte Blutuntersuchungen und ausgewählte Stuhluntersuchungen auf Grundlage der Symptome, Vorgeschichte und bereits vorhandenen Befunde verordnen. Ziel ist es, konkrete klinische Fragen zu beantworten und die Ergebnisse in einen individuellen Behandlungsplan einzubeziehen.

Das Gesamtbild

Autoimmunerkrankungen sind komplex.

Es gibt nicht ein einzelnes Lebensmittel, das verantwortlich ist, kein universelles Mikrobiomungleichgewicht, das bei allen korrigiert werden muss, und keine Nahrungsergänzungskombination, die für jeden Menschen geeignet ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Ernährung und Darmgesundheit unwichtig sind.

Der Darm ist eng mit der Immunbiologie verbunden. Ernährung beeinflusst sein Milieu. Autoimmune und entzündliche Erkrankungen können den Ernährungsstatus verändern. Mikronährstoffmängel können zu Müdigkeit und anderen Beschwerden beitragen. Die Ernährungsqualität beeinflusst ausserdem Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Der sinnvolle Ansatz besteht deshalb weder darin, Ernährung zu ignorieren, noch darin, zu versprechen, dass Lebensmittel Autoimmunerkrankungen heilen können.

Es geht darum, bessere Fragen zu stellen:

Liefert die Ernährung diesem Menschen, was er benötigt?

Gibt es Nährstoffmängel?

Deuten Verdauungsbeschwerden auf etwas hin, das genauer untersucht werden sollte?

Könnte die Nährstoffaufnahme beeinträchtigt sein?

Fördert die Ernährung ein günstiges Darm- und Stoffwechselmilieu?

Verschlechtern unnötige Einschränkungen die Ernährungsqualität, statt sie zu verbessern?

Und vor allem:

Welche dieser Faktoren können wir realistisch verbessern?

Bei Centre Algos verbinden wir diese Fragen mit der bereits gestellten Diagnose, den aktuellen Beschwerden, den bereits durchgeführten Untersuchungen und der bestehenden medizinischen Behandlung, um eine individuelle Strategie zu entwickeln.

Wenn Sie mit einer Autoimmunerkrankung oder einer chronisch entzündlichen Erkrankung leben und wissen möchten, ob Ernährung, Mikronährstoffstatus oder Darmgesundheit bei Ihren Beschwerden eine Rolle spielen könnten, können wir bei einer Konsultation bei Centre Algos die Gesamtsituation beurteilen und gemeinsam festlegen, welche Untersuchungen und Behandlungsstrategien sinnvoll sind.

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